Ernest Van den Driessche
Der naive Maler Ernest Van den Driessche
Naive Kunst ist etwas Universelles; man kann ihr nicht leicht eine richtige and geeignete Definition verleihen, weil diese Kunst genau abgegrenzten Normen entgeht.
Der naive Künstler ist im Grunde ein Erzahler und fallt ausserhalb der traditionellen Umschreibungen der Kunst, weil er wie auf seiner eigenen Insel lebt. Er ist er selbst und anerkennt keine modischen Trends, Stile oder Strömungen.
Mit diesem Buch wird die Aufmerksamkeit auf die sehr expressive Malerarbeit von Ernest Van den Driessche gelenkt, der nicht nur in seinem Wohngebiet Oudenaarde, sondern auch weit davon entfernt geschatzt wird.
Diese Bildkunst zeigt die Kraft eines ungefalschten Talentes, einer reinen und ehrlichen Malerbegabung und einer visionaren Einstellung. So gehort er mit Recht zu den authentischen naiven Malern des Landes.
Ernest Van den Driessche hat ein Oeuvre hinterlassen, das reich ist an volkstümlichen Vorstellungen, in denen man sowohl die Widerspiegelung der Folklore als die Widerspiegelung eines Zeitbildes vorfinden kann.
Er wurde Weihnachten 1894 geboren, und dieser Geburtstag bestimmte schon eines seiner wiederkehrenden Themen. Die verschiedenen Themen seines ausführlichen Oeuvres beziehcn sich übrigens immer auf seine eigene Lebenswelt. Bald sind es die Jahreszeiten oder die Lebensphasen seiner aufwachsenden Töchter, bald sind es die jahrlich wiederkehrenden Volksfeste. Eine reiche Queile bilden auch die Volkserzahlungen aus seiner Gegend oder Erzahlungen, die er entweder gelesen oder gesehen hat.
Immer liefern seine Gemalde und Zeichnungen die einzelne Vision des Künstlers und es ist unverkennbar, dass Wirklichkeit und Vorsteilungskraft auf unvviderstehliche Weise ineinander fliessen, was zur Folge hat, dass sein Werk ein reicher Kiangboden voll von fesselnden Elementen geworden ist.
Wenn er Anfang der dreissiger Jahre zu malen anfjingt, malt er noch vollstandig nach der Natur: Landschaften, Stilleben und Portrats. Erst in den fünfziger Jahren bekommt die kindliche, naive Darstellung unter dem Einfluss seiner jungen Kinder die Oberhand. Auffallend in diesen Gemalden ist die fröhliche und frische Far ben an wend ung. Es sind ausschliesslich helle Töne, die auf der Palette liegen; aufmunternde Klange, die stimulierend wirken, was mit der Tatsache zusammenhangt, dass Kummer und Tragik in diesem Oeuvre nahezu abwesend sind.
Erst 1958, im Alter von 63 Jahren und eigen tl ich durch Zufall wird er zum ersten Mal sein Werk öffentlich ausstellen, sofort mit grossem Erfolg. Bis zu seinem Tode im Jahre 1985, folgten die Ausstellungen sich und immer mit grossem Erfolg. International folgt Anerkennung mit Ausstellungen in Paris, Bratislawa und Köln, sowie diese des Spezialisten der naiven Kunst Anatole jakovsky.
Die Publikation dieses reichIich illustrierten Buches zum feiern des I 00. Geburtstages des Malers bietet vielen die Möglichkeit, sich erneut zu vertiefen in die phantasiereichen Vorstellungen des volkstümlichen Lebens, wie der Maler es für immer festgelegt hat.
Ubersetzung: Katrien Hooreman